Pressebericht
von Adrian Totaro
An der diesjährigen Deutschen Einzelmeisterschaft in Willingen nahm von den Schachfreunden Limburgerhof ihr junges Talent Nicolas Wagener teil. Nach den erfolgreichen Wettkämpfen in der Pfälzer und Rheinland-Pfälzischen Konkurrenz startete Nicolas beim U14-Turnier und errang 5 Punkte aus 9 Runden bei einem Gegnerschnitt von DWZ 1993. Dadurch verbesserte er seine Wertungszahl um knapp 80 Punkte. Die Punkteausbeute reichte für einen hervorragenden 18. Platz im starken Feld der DEM U14, derselbe Platz wie im Vorjahr bei der DEM U12.
Die Leistung ist insbesondere bemerkenswert, weil Nicolas noch dem jüngeren Jahrgang seiner Altersklasse angehört. Mit seiner Ausbeute erreichte er eines der besten Ergebnisse der rheinland-pfälzischen Delegation über alle klassischen Altersklassen hinweg. Durch seine enorme Spielstärke, die er innerhalb der letzten Jahre stetig aufwertete, darf er nun auch in der Mannschaft der Schachfreunde an Brett 1 Verantwortung übernehmen und die Gegner in der Bezirksliga das Fürchten lehren.
Die SF Limburgerhof sind stolz auf ihren Jugendspieler, dessen gute Platzierung noch nie ein Spieler der Schachfreunde bei der DEM U14 erreicht hat.
Turniertagebuch
von Jügen Wortmann
Zum fünften Male mimmt Nicolas Wagener an der Deutschen Einzelmeisterschaft (DEM) teil.
Nicolas Wagener, gerade 13 Jahre alt geworden, hat sich in RLP in der Altersklasse U14 (der unter 14-jährigen) für die Deutschen Einzelmeisterschaften (DEM) vom 23.05. bis 31.05.2026 qualifiziert.
Dabei war seine Qualifikation dieses Mal mit einem 2.Platz durchaus wackelig, da sie nur auf Basis einer Buchholz-Feinwertung erfolgte. Nicolas hatte sich einen Infekt eingefangen und spielte die drei letzten Runden fiebrig. Nicolas wird also das fünfte Mal in Folge an der Endrunde in Willingen teilnehmen.
Dort erwarten ihn in seiner Altersklasse 46 Gegner nach Anmeldungsstand vom 04.05.2026. Es wird ein schweres Turnier für Nicolas, besitzen doch seine Gegner durchweg hohe Wertungszahlen. Während Nicolas DWZ 1839 und ELO 1879 besitzt, weisen seine Gegner in der Spitze DWZ 2156 und ELO 2275 mit einem Mittelwert von DWZ 1940 und ELO 1966 auf.
Immerhin reicht das starke Rating von Nicolas für den 37. Setzplatz. Nicolas spielt also in der zweiten Hälfte der Setzliste und erwartet in der ersten Runde einen der hoch gewerteten Spieler. Meine Spekulation ist, dass Nicolas in der ersten Runde am Brett 14 gegen Artem Kelembet DWZ 2024 aus Würtenberg spielt. Bericht
Meldeliste: DEM U14 2026: Meldeliste (Deutsche Schachjugend) (externer Link)

Anfahrt - das Abenteuer beginnt
Bei strahlendem Himmel brachen wir am Samstag um 10 Uhr Richtung Willingen auf. Unser Gefährt: ein vollgeladener BMW i3, bereit für die Mission. Die Navigation warnte früh vor einer Blockade der Rheinbrücke bei Viernheim, also wählten wir vorsorglich die Ausweichroute über Worms. Die zusätzlichen Kilometer machten einen Zwischenstopp an der Raststätte Pfungstadt nötig, bevor wir am Max‑Eyth‑Weg in Großlinden erneut nachluden. Der benachbarte DM‑Markt bot die Gelegenheit, die letzten freien Winkel im i3 mit „unverzichtbaren“ Dingen zu füllen. Bis hierhin lief alles erstaunlich glatt.
Doch die Ruhe währte nicht lange. Auf der geplanten Route über Bracht gerieten wir in ein Labyrinth aus Baustellen und Fahrverbotsschildern, die uns von allen Seiten einkreisten. Jeder vermeintliche Ausweg führte nach wenigen Kilometern in immer abenteuerlichere Wald- und Feldwege. Auch die Versuche, sich mit der lokalen Bevölkerung über alternative Routen auszutauschen, endeten in einer Mischung aus kryptischen, unpräzisen und leicht ungehaltenen Wegbeschreibungen.
Nach zwanzig Minuten orientierungslosen Herumprobierens entschieden wir uns schließlich für einen verkehrswidrigen, aber passierbaren Weg durch eine schmale hohle Gasse – ein kleiner Regelbruch, der uns glücklicherweise wieder auf die reguläre Route zurückführte. Danach verlief alles problemlos, und um 15 Uhr erreichten wir ein sonniges, warmes und ausgesprochen einladendes Willingen.
Die sonst oft umständliche Anmeldeprozedur zur DEM erwies sich diesmal als erfreulich unkompliziert. Auch die Begrüßung durch Teilnehmer und Delegationsmitglieder aus Rheinland‑Pfalz war herzlich. Weniger begeistert zeigte sich Nicolas über das obligatorische DEM‑Shirt: „Noch eins?“ – und dann auch noch eine Nummer zu klein. In seiner aktuellen Wachstumsphase ist das allerdings kaum zu vermeiden.
Runde 1
Der Gegner der 1.Runde war der sehr erfahrene Mateo Gabriel Junge mit einer DWZ von 2044. Nicolas hatte Weiß. Eine sehr schwere Auslosung für Nicolas. Zur Vorbereitung fanden wir ca. 80 Partien von Mateo in den Schach-Datenbanken. Daraus war zu entnehmen, dass Mateo gerne Caro-Kann spielt.
Nicolas nutzte seine Vorbereitung gut und erhielt eine ausgeglichene Stellung, die er konzentriert behandelte. Schließlich erspielte er sich sogar klaren Vorteil - fast eine Gewinnstellung. Aber er übersah ein Gegenspiel seines Gegners. Der dachte wohl schon auf der Gewinnerstraße zu sein. Nicolas fand aber eine sehr schöne und präzise Abwicklung in eine Zugwiederholung.
Damit fand die 4,5 h dauernde Partie ein Ende mit einem verdienten Remis für beide Spieler. Die Trainer spendeten dafür Nicolas großes Lob.
Runde 2
In der zweiten Runde wurde Nicolas gegen Theo Draude DWZ 1966 ausgelost. Aufgrund des lang andauernden Spiels in der ersten Runde blieb diesmal kaum Zeit zur Vorbereitung. So musste Nicolas lediglich mit der Information ans Brett, dass Theo ein e4-Spieler ist, und häufig einen offenen Sizilianer anstrebt.
Beide Spieler „ballerten“ die ersten Theoriezüge aufs Brett. Das offensichtlich große Selbstbewusstsein beider Spieler war aber bei Nicolas nicht angebracht. Gegen den gut vorbereiteten Gegner verwechselte Nicolas erst einen Zug seines Repertoires und schlug dann noch leichtsinnig und offensichtlich ohne viel nachzudenken auf b2 einen Bauern mit seiner Dame. Als die Dame dort angegriffen wurde, merkte Nicolas, dass alle Rückzugwege seiner Königin abgeschnitten waren. Ein Anfängerfehler, der nicht passieren sollte.
Kurze Zeit später war das Spiel zu Ende. Nach dieser Runde sparten die Trainer nicht mit Kritik.
Vorbereitung Runde 3:
Die Runde 3 wird morgen um 14:30h gespielt. Da sollte genug Zeit zur Vorbereitung sein. Mal sehn, Nicolas spielt morgen mit Weiß gegen Ben Kaufmann mit einer DWZ von 2051.
Runde 3
In Runde 3 spielte Nicolas gegen Ben Kaufmann aus Württemberg mit einer DWZ von 2051, der bereits für Deutschland in einer Auswahl startete. Ben spielt Französisch - gegen diese Eröffnung spielt Nicolas sehr gerne. Entsprechend selbstbewusst ging er ans Werk. Er spielte so schnell, dass er zeitweise mehr als ein halbe Stunde Vorsprung auf der Uhr erzielte.
Nach einem taktisch sehr scharfen Spiel versandete die Partie aber in einem riesigen Remissumpf, den ich (Jürgen) so noch nie gesehen habe. In diesem Sumpf konnten beide Spieler halbwegs fast beliebige Züge ziehen. Die Schachengine zeigte in sehr langer Zugfolge trotzdem immer 0.0, d.h. Remis - Remis - Remis.
Erst am Ende der Partie deutete sich eine Gewinnmöglichkeit für Nicolas an, die aber von Ben wohl objektiv zu verteidigen war. Nun war die Endstellung vom Typ schlechter Läufer gegen guten Springer vermutlich für Nicolas leichter zu bespielen. Trainer GM Galdunts meinte, Nicolas hätte weiterspielen sollen. Die Analyse mit Scachprogramm Stockfish ergab makelloses Spiel beider Spieler.
Vorbereitung Runde 4:
Die Runde 4 beginnt morgen wieder einmal um 8:30h. Da heißt es morgens schnell zu frühstücken, denn eine Minute Verspätung am Brett bedeutet Spielverlust. Allerdings steht morgen nur eine Partie auf dem Plan. Der morgige Nachmittag steht für die Spieler zur freien Verfügung. Der morgige Gegner heißt Daniel Hepp, DWZ 1915, vom FC Bayern München. Daniel spielt in der Landesliga Bayern und war sogar für die ersten Bundesliga gemeldet, kam aber dort nicht zum Einsatz. Also morgen wartet wieder ein erfahrener, leicht favorisierter Schachspieler auf Nicolas. Wir sind gespannt. Na, dieses Jahr sind in Willingen die Wolken ausgegangen. Dafür ist es mächtig warm mit gefühlten 30°C.
Runde 4
In Runde 4 spielte Nicolas gegen Daniel Hepp, DWZ 1915, vom FC Bayern München. Beide Spieler waren gut vorbereitet. Auf die sizilianische Fianchetto Variante antwortete Nicolas klassisch mit einem Maroczy – Bind. In dieser Variante konzentriert sich das Spiel stark auf die schwarze Hauptdiagonale. Das war auch in diesem Spiel der Fall.
Dass nach einem Abtausch von Figuren die Dame so schnell auf einem Feld der schwarzen Hauptdiagonale landete, hatte Nicolas bestimmt nicht erwartet. Danach kam es für wenige Züge zu einem scharfen Spiel auf der c-Linie. Daniel Hepp erhielt für einen Moment die Gelegenheit in Vorteil zu kommen, glücklicherweise für Nicolas nutzte er die Gelegenheit nicht. Danach verflachte das Spiel zunehmend und landete in einem langweiligen remisigen Endspiel und der Einigung auf ein gerechtes Remis.
Nach dem Spiel startete der Willingen-Dauerbrenner - jedes Jahr Sommerrodelbahn. Dieses Mal war der Hin- und Rückweg aufgrund großer Hitze besonders beschwerlich.
Nikolaus spielt danach noch in einem Paar-Blitzturnier mit - leider mit bescheidenem Erfolg. Vorbereitung Runde 5: Die Runde 5 beginnt morgen wieder einmal um 8:30h. Der morgige Gegner heißt Nasar Tasarenko, DWZ 2077, ELO 2095 aus Brandenburg, der auf dem achten Platz in der Startrangliste gesetzt wurde. Wir erwarten ein klassisches abgelehntes Damengambit.
Morgen gibt es wieder zwei Partien.
Runde 5
Der heutige Gegner heißt Nasar Tasarenko, DWZ 2077, ELO 2095 aus Brandenburg, der auf dem achten Platz in der Startrangliste gesetzt wurde.
Wir erwarten ein klassisches abgelehntes Damengambit.; gespielt wurde ein c3-Sizilianer (Alapin). Die Vorbereitung war für die Katz, aber Nicolas glich durch präzises Spiel bald den Anzugsvorteil aus. Erst im Endspiel zog sein Gegner den b-Bauer nach b4. Damit war das Spiel entschieden. Dieser harmlos erscheinende Zug war ein krasser Fehler, den Nicolas konzentriert zum Sieg nutzen konnte. In der aktuellen Tabelle belegt Nicolas den 21. Platz. Nicolas spielte die Partie mit einer 98% Quote.
Runde 6
Die Runde 6 begann um 16:30h. Der Gegner hieß Max Leonhardt, DWZ 1915 aus Brandenburg. Nicolas hatte Schwarz. Die Vorbereitung gegen Max war etwas diffizil. Grund war, dass er drei verschiedene Eröffnungen In der Vergangenheit und in diesem Turnier gespielt hatte. 1.Sf3, 1.d4, und 1.c4. Dieses Mal wählte Max den Zug Sf3.
Aus diesem Zug entwickelte sich schnell die Tarrasch-Haupt-Variante, mit der Nikolas eigentlich gut vertraut ist. Nur der Gegner wählte eine ihm unbekannte Untervariante. Nicolas spielte eine zu passive Antwort und geriet bald in ein Endspiel, das sehr unvorteilhaft für ihn war. Dann begann die Verteidigungsschlacht in aussichtsloser Stellung. Die Engine beurteilte die Stellung zeitweise +5s Bauerneinheiten vorteilhaft für Max.
Das Endspiel war allerdings sehr schwierig. Beide Spieler hatten große Probleme es richtig zu behandeln. Beiden rauchten die Köpfe. Und Max patzte zweimal heftig. Nicolas bekam die Gelegenheit das Spiel auszugleichen und er nutzte die Gelegenheit. Ein Motiv des Endspiels, das Nikolas nutzen konnte, war die falsche Feldfarbe des Läufers von Max.
Ein glückliches Remis für Nikolas, dass er sich aber durch großen Kampfgeist schwer verdiente. Mit einem ausgeglichenen Punktekonto von 3 Punkten aus 6 Spielen liegt Nicolas im Mittelfeld des stark besetzten Turniers. Morgen wartet wieder ein schwerer Gegner.
Runde 7
Der heutige Gegner hieß Eduard Rau, DWZ 2004, aus Württemberg. Wir erwarteten eine italienische Eröffnung, die auch auf das Brett kam.
Nicolas spielte den etwas anrüchigen Fried Liver Attack, der von Nicolas in eine schlechte Nebenvariante geführt wurde, die offenbar beide Spieler nicht kannten. Nach wenigen Zügen in Verluststellung gelang es Nicolas seine Stellung zu verbessern und so scharf anzulegen, dass sein Gegner den Überblick verlor. Die Analyseengine urteilte über die Stellung: Manche mögen es heiß.
Die Partie endete mit einem sehenswerten taktischen Schlag von Nicolas. Die Analyseengine urteilte über die Partie: "Ein Abtraum für Schwarz und eine brilliante Partie von Wagener."
Nicolas hat nun 4 Punkte gesammelt und belegt damit den 16.Rang. Morgen geht es um 8:30h gegen die deutsche Kaderspielerin Alicia Kovalscyy, DWZ 1999. Ja, im Feld der Jungen spielt ein Mädchen mit.
Runde 8
Gegen Alicia Kovalskyy musste Nicolas eine Nielage einstecken.
Runde 9
Der Gegner der Schlussrunde hieß Artur Hoppe aus Berlin mit einer DWZ von 1970. Mit diesem Gegner hatte Nicolas noch ein „Hühnchen zu rupfen“. So hatte Artur Nicolas bei den letzten deutschen Meisterschaften eine klare und schmerzhafte Niederlage bereitet. Nicolas wollte Revanche. Damals hatte Artur Nicolas mit einem Drachenaufbau überrascht. Was spielt Artur heute? Natürlich spielte Artur den sizilianischen Drachen. Aber jetzt war Nicolas mit Hilfe von GM Galdunts vorbereitet.
Beide Spieler wählten einen klassischen Drachenaufbau mit entgegengesetzten Rochaden. Nicolas beendete die Eröffnung mit spürbarem Vorteil, fand anschließend jedoch nicht die optimalen Pläne, sodass Artur ausgleichen konnte. Genau in diesem Moment brach die Übertragung der Partie ab. Als die Internetverbindung wieder stand, war die Entscheidung bereits gefallen: Nicolas hatte gewonnen.
Erneut bewies das Schachtalent aus Limburgerhof in einer komplexen Stellung den besseren Überblick. Als er schließlich einen praktisch unausweichlichen Turmgewinn androhte, gab Artur frühzeitig auf. Ein überraschend glatter Sieg nach einem gegnerischen Patzer beschloss ein insgesamt herausragendes Turnier für Nicolas.
Mit 5 Punkten aus 9 Runden gegen einen Gegnerschnitt von DWZ 1993 erspielte er sich eine neue DWZ von 1917 (+78). Diese starke Ausbeute bedeutete einen hervorragenden 18. Platz im hochkarätigen Feld der DEM U14 – derselbe Rang wie im Vorjahr in der U12. Besonders bemerkenswert: Nicolas gehört in seiner Altersklasse noch dem jüngeren Jahrgang an.
Seine Spielstärke ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen, und vieles spricht dafür, dass dieser Trend anhält. Wir sind gespannt, was Nicolas in den kommenden Jahren – und bei der nächsten DEM – leisten wird. Mit seinen 5/9 erzielte er eines der besten Ergebnisse aller rheinland-pfälzischen Teilnehmer über sämtliche Altersklassen hinweg.
Der Verein ist stolz auf seinen Jugendspieler: Eine so gute Platzierung hat bei der DEM U14 in der Vereinsgeschichte noch niemand erreicht - aufgrund seiner Entwicklung wird Nicolas künftig das Spitzenbrett der 1. Mannschaft der Schachfreunde Limburgerhof übernehmen.
Aktueller Spielstand (externer Link): Nicolas Wagener – DEM U14 2026 (Deutsche Schachjugend)
Rückblick 2025
Nicolas Wagener 2025
Tabellenendstand 2025 (externer Link): Nicolas auf Platz 18 (von 66).